Minimalismus Schrankbett

Minimalistisch leben – wie geht das überhaupt?

Minimalistisch zu leben bietet die Möglichkeit für klare Strukturen in einer aufgeräumten Umgebung, was zu einem Zuhause als Ruhepol führen kann. Minimalismus fördert die Achtsamkeit und Geisteshaltung, sich selbst gegenüber. Durch das regelmäßige Aussortieren beschäftigt man sich damit, woran man sich wirklich erfreut. Und ein netter, kleiner Nebeneffekt: Der Geldbeutel wird geschont.

Was bedeutet es, minimalistisch zu leben?

Ob nun als Minimalismus, Downshifting oder Konsumverzicht bezeichnet, die Bedeutung bleibt gleich: Durch einen minimalistischen Lebensstil wird der Ballast in der eigenen Wohnung und im Leben reduziert. Das Ziel ist, sich auf die wichtigsten Gegenstände zu konzentrieren und so einen klaren Fokus aufzubauen. Anhänger*innen der Bewegung beschränkten sich auf das Minimum an Ausgaben wie in einer Art Gegenbewegung zur Konsumgesellschaft, in der schnelllebig und möglichst laut mit vielen neuen Artikeln geworben wird. Damit ist gemeint, dass nichts Unnötiges gekauft wird und Qualität einen höheren Wert erhält. Gekaufte Gegenstände sollen möglichst langlebig sein. Minimalist*innen stellen sich die Frage: Möchte ich für dieses Produkt mein Geld und meine Zeit opfern? Denn für jede getätigte Ausgabe muss Geld verdient werden. Dafür muss Zeit aufgebracht werden, die im Minimalismus oft als wertvoller angesehen wird als ein Produkt. Daher erfolgt vor dem Kauf neuer Gegenstände oftmals eine Kosten-Nutzen-Abschätzung: Für einen neuen Fernseher muss eine Woche oder vielleicht sogar ein ganzer Monat gearbeitet werden, bevor er sich gekauft werden kann. Für ein Auto bereits mehr als ein Jahr.

Aber nicht nur der Konsum und das eigene Inventar geraten in den Fokus. Neben dem Wunsch nach mehr Platz und mehr Umweltschutz geht es vielen auch um mehr Zeit, mehr Langsamkeit und der daraus resultierenden Freiheit und Zufriedenheit. Durch weniger Ballast und Ausgaben und die dadurch höhere finanzielle Flexibilität bleibt mehr Raum für Reisen und Momente. Auch der Wunsch nach beruflicher Flexibilität spielt bei vielen Minimalist*innen eine Rolle, wie der Autor Christof Herrmann in einer Umfrage von 2020 herausgefunden hat. Minimalistisch zu leben, bedeutet also nicht nur weniger zu kaufen, es bedeutet auch bewusst zu denken.

Gibt es klare Regeln für einen minimalistischen Lebensstil?

Der Fokus soll darauf gelegt werden, was uns glücklich macht und Freude am Leben bereitet. Dazu ist nicht unbedingt ein neuer Fernseher notwendig. Auch ein Spaziergang mit Freunden oder das Lesen eines Buches können dazu beitragen. Worauf können wir verzichten, ohne dass es uns unglücklich macht? Was würde uns stattdessen eine schöne und vor allem sorgenfreie Zeit bescheren?

Ein minimalistischer Lebensstil heißt übersetzt nicht, dass strikte Regeln befolgt werden müssen. Einzig die Person selbst kann entscheiden, was sich für sie richtig anfühlt. Es gibt auch keine festen Zahlen, die die Gegenstände in der eigenen Wohnung bemessen sollten. Im Durchschnitt besitzt jede*r 10.000 Gegenstände, in manchen Trends wird die Zahl 100 als Ziel angestrebt. Aber nur, weil diese Nummern existieren, müssen sie uns nicht glücklich machen. Frag dich daher lieber: Welche Objekte schenken mir Freude? Ohne welche Gegenstände kann ich ein zufriedenes Leben führen, ohne sie zu vermissen? Und welche Objekte sind in Wahrheit nur Ballast?

Bezieht sich Minimalismus nur auf Gegenstände?

Definitiv nein. Am Anfang ist die Idee, die eigene Wohnung zu entrümpeln und Platz für die wahren Freuden zu schaffen, meist der Auslöser. Aber erst einmal damit angefangen, wirkt sich die Denkweise auch auf andere Bereiche aus. Wozu neue Kleidung kaufen, wenn ich sie eigentlich nicht brauche? Doch lieber qualitativ kaufen, statt quantitativ? Nicht nur das eigene Kaufverhalten wird hinterfragt, auch die Art und Weise, wie wir unsere Zeit verbringen. Ist dieser Job der richtige für mich? Möchte ich mich mit jemandem auf einen Kaffee treffen, auch wenn mir das Treffen mehr Zeit raubt, als glückliche Zeit zu schenken? Du siehst, Minimalismus wirkt sich auf das ganze Leben aus. Aber auch nur so weit, wie du es zulässt.

Wie kann ich beginnen, minimalistisch zu leben?

Du hast dich (bewusst) dazu entschieden, diesen Lebensstil führen zu wollen? Prima. Du bist dir noch nicht sicher, ob es das Richtige für dich ist? Auch vollkommen in Ordnung. Laut Anhänger*innen des Minimalismus kann die Entscheidung ganz plötzlich kommen. Oder aber sie wird durch einen Wandel wie eine lange Wanderung mit nur wenigen Habseligkeiten ausgelöst. Und ob es dir dann Spaß macht, wird sich zeigen, wenn du es ausprobierst.

Gehe heute einmal durch deine Wohnung und sieh dir all deine Gegenstände an. Sortiere Raum für Raum die aus, die du schon lange nicht mehr gebraucht hast und die dich in diesem Moment nicht zufriedener machen, seitdem du sie in die Hand genommen hast. Kannst du den Gegenstand entsorgen, ohne dass er dir fehlt? Oder ihn in einem Notfall für nur weniges Geld ersetzen? Dann sortiere ihn aus. Das Wichtigste: direkt entsorgen, nicht lange aufschieben. Was heile ist, kann verschenkt oder gespendet werden, dann tust du auch der Umwelt etwas Gutes.

Demnächst werden wir noch mehr zu den Themen Minimalismus und Aussortieren erzählen und Methoden vorstellen, wie du den Ballast in deinem Leben reduzieren und so ein freieres und erfüllteres Leben führen kannst.

Tags:
No Comments

Post A Comment